Die außerklinische Intensivpflege ermöglicht Menschen mit einem vital bedrohenden, medizinischen und pflegerischen Unterstützungsbedarf die Versorgung außerhalb eines Krankenhauses. Diese kann in der häuslichen Umgebung, in Wohngemeinschaften oder in stationären Einrichtungen erfolgen. In Bayern – wie im gesamten Bundesgebiet - ist bislang unzureichend bekannt, wie sich der Bedarf, vorhandene Angebote und Fachkräfte regional verteilen und dadurch die Versorgung beeinflussen. Zugleich erschweren Personalengpässe, hohe Kompetenzanforderungen und unterschiedliche regionale Gegebenheiten die Wahl einer passenden Versorgungsform. BERATE untersucht die Versorgungskapazitäten und Bedarfsentwicklungen im Bundesland, aber auch die Perspektiven von Stakeholdern in der Versorgung. Dazu gehören Betroffene mit ihren An- und Zugehörigen ebenso wie spezialisierte Pflegedienste, Ärztinnen und Ärzte, Kostenträger, der Medizinische Dienst und weitere Gesundheitseinrichtungen. In einem Spannungsfeld zwischen Bedarfsgerechtigkeit, Teilhabe, Wirtschaftlichkeit und der flächendeckenden Verfügbarkeit von Versorgungsangeboten sollen Innovationen für eine bedarfsgerechte Versorgung und Ressourcensteuerung entstehen.
Im Projekt werden die Bedarfe, Wünsche und Entscheidungskriterien von Menschen mit außerklinischem Intensivpflegebedarf systematisch untersucht und mit den regional verfügbaren Versorgungsangeboten und personellen Kapazitäten in Bayern abgeglichen. Ziel ist es, Versorgungslücken sichtbar zu machen, die zukünftige Bedarfsentwicklung für fünf Jahre abzuschätzen und wissenschaftlich fundierte Empfehlungen für Versorgungsplanung, Beratung und einen bedarfsgerechten Ressourceneinsatz zu entwickeln. Unter Berücksichtigung der Expertisen aller Stakeholder sollen Potenziale und Lösungsansätze für erweiterte Leistungsangebote, aber auch zur Verbesserung der Kommunikation unter den Stakeholder entstehen.
BERATE verbindet qualitative und quantitative Forschungsmethoden in einem konvergenten, parallelen mixed-methods-design. Interviews und Fokusgruppen mit Betroffenen, Angehörigen und Fachpersonen beleuchten Erfahrungen, Bedürfnisse und Entscheidungen. Fallstudien untersuchen innovative Versorgungsmodelle. Ergänzend werden vorhandene Versorgungs-, Qualitäts-, Bevölkerungs- und Arbeitsmarktdaten ausgewertet sowie Online-Befragungen von Versicherten, Leistungserbringern und Ärztinnen und Ärzten durchgeführt. In einer mehrstufigen Delphi-Befragung bewerten Fachleute zukünftige Entwicklungen. Die Ergebnisse werden zusammengeführt und für eine fünfjährige Bedarfsprognose sowie Handlungsempfehlungen genutzt. Das Forschungsvorhaben wird in enger fachlicher Abstimmung mit einer Steuerungsgruppe unter Mitwirkung des Staatsministeriums für Gesundheit, Pflege & Prävention StMGP in Bayern, dem Landespflegeamt Bayern und verantwortlicher Organisationen der Kostenträger, Aufsichtsbehörden und dem Bezirketag Bayern durchgeführt.
Das Projekt betrachtet die außerklinische Intensivpflege in Bayern aus mehreren Perspektiven und verknüpft individuelle Wünsche mit regionalen Versorgungskapazitäten und zukünftigen Entwicklungen. Ferner bringt es Transparenz in die Entwicklung der Prävalenz unterschiedlicher, krankheitsbedingter Anforderungen respektive der vorhandenen Versorgungskapazitäten. Dadurch können bislang wenig sichtbare Versorgungslücken und Entscheidungsbarrieren erkennbar werden. Die Entwicklung innovativer Ansätze vor dem Hintergrund einer partizipativen Zusammenarbeit soll die Divergenzen zwischen den Einrichtungen aufgreifen und neue Möglichkeiten für eine bedarfsgerechte Versorgung aufzeigen. Die Ergebnisse können Betroffenen und Angehörigen, Versorgungsanbietern, Krankenkassen und Verantwortlichen in der Versorgungsplanung als Entscheidungsgrundlage dienen.
ORCID iD: 0009-0000-3825-3984
ORCID iD: 0009-0008-6038-5850
ORCID iD: 0000-0003-4561-8405