Klimaschutz durch den Einsatz von Wärmepumpen auf Alpenvereinshütten

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Im Projekt »Heat4Alps« soll der Einsatz von Wärmepumpen zur nachhaltigen Wärmeversorgung von Alpenvereinshütten untersucht werden.

Hintergrund des Projekts

Die Alpen gehören zu den weltweit am stärksten vom Klimawandel betroffenen Regionen. In den vergangenen 100 Jahren ist die Temperatur dort etwa doppelt so stark gestiegen wie im globalen Durchschnitt. Diese Entwicklung bringt erhebliche ökologische Risiken mit sich – eröffnet jedoch zugleich neue technische Möglichkeiten für eine nachhaltige Energieversorgung im alpinen Raum.

Durch die steigenden Temperaturen wird der Einsatz moderner Wärmepumpensysteme auch in hochgelegenen Regionen zunehmend möglich. Damit entsteht erstmals eine realistische Alternative zu den bislang üblichen Heizsystemen auf Berghütten, die überwiegend auf der Verbrennung von Holz oder fossilen Brennstoffen wie Diesel basieren. Diese Systeme verursachen nicht nur hohe CO₂-Emissionen, sondern auch erhebliche logistische und finanzielle Belastungen, da Brennstoffe aufwendig in abgelegene Höhenlagen transportiert werden müssen.

Die Alpenvereine in Deutschland und Österreich betreiben gemeinsam mehr als 550 Hütten mit über einer Million Übernachtungen pro Jahr. Die Umstellung dieser Infrastruktur auf eine klimafreundliche Wärmeversorgung bietet daher ein enormes Potenzial zur Reduktion von Emissionen und Betriebskosten.

Das Projekt „Heat4Alps“ setzt genau an diesem Punkt an. Ziel ist es, innovative und an die alpinen Bedingungen angepasste Wärmepumpenlösungen zu entwickeln, zu erproben und zu bewerten. Damit leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Klimaanpassung und zur nachhaltigen Transformation der alpinen Hütteninfrastruktur.

Projektziel

Ziel des Projekts Heat4Alps ist es, den erfolgreichen Einsatz von Wärmepumpen in alpinen Pilotanlagen systematisch auszuwerten und auf weitere Hütten der Alpenvereine sowie auf vergleichbare Gebäude im alpinen Raum zu übertragen. Im Mittelpunkt steht dabei der Aufbau einer fundierten Entscheidungs- und Planungsgrundlage für eine klimafreundliche Wärmeversorgung in Hochlagen.

Dieser Erkenntnistransfer erfolgt über zwei zentrale Instrumente:

erstens durch die Entwicklung eines Bewertungstools zur Analyse des energetischen Gesamtzustands von Hütten und ihrer Eignung für den Einsatz von Wärmepumpen, und zweitens durch einen praxisorientierten Handlungsleitfaden, der Planung, Umsetzung und Betrieb solcher Systeme unter alpinen Bedingungen strukturiert beschreibt.

Die gewonnenen Daten und Erkenntnisse basieren auf zwei Best-Practice-Pilotanlagen sowie auf ergänzenden energetischen Simulationen. Auf dieser Grundlage sollen sowohl Entscheidungsträger als auch Planer und technische Fachkräfte in die Lage versetzt werden, fundierte Investitions- und Umsetzungsentscheidungen für die Umstellung bestehender Heizsysteme zu treffen.

Langfristiges Ziel ist es, in Kombination mit Photovoltaikanlagen eine dezentrale, wirtschaftlich tragfähige und CO₂-neutrale Energieversorgung für Alpenhütten und vergleichbare Gebäude im alpinen Raum zu etablieren.

Projektablauf

Im ersten Projektschritt wird der aktuelle energetische Zustand der Alpenvereinshütten in Bayern und Österreich systematisch erfasst und analysiert. Dabei werden bestehende Wärmeversorgungssysteme, Energieverbräuche und standortspezifische Rahmenbedingungen ausgewertet.

Darauf aufbauend werden mithilfe von Simulationen verschiedene Wärmekonzepte auf Basis von Wärmepumpentechnologien entwickelt und hinsichtlich technischer Machbarkeit, Energieeffizienz und Wirtschaftlichkeit verglichen.

Parallel dazu beginnt die Planung und Umsetzung von zwei Pilotanlagen, die als Best-Practice-Beispiele dienen:

eine auf der Traunsteiner Hütte des Deutschen Alpenvereins (DAV) und eine auf dem Carl-von-Stahl-Haus des Österreichischen Alpenvereins (ÖAV). An diesen beiden Standorten werden innovative Wärmepumpensysteme unter realen alpinen Bedingungen installiert und betrieben.

Nach Inbetriebnahme werden die beiden Anlagen über einen Zeitraum von zwei Jahren kontinuierlich überwacht (Monitoring) und anschließend detailliert ausgewertet. Dabei werden Betriebsdaten, Energieerträge, Zuverlässigkeit und Einsparpotenziale analysiert.

Auf Grundlage der Ergebnisse aus den Pilotanlagen sowie der simulationsgestützten Untersuchungen werden ein praxisorientierter Handlungsleitfaden und ein Bewertungstool entwickelt. Diese Instrumente sollen die Übertragbarkeit der gewonnenen Erkenntnisse auf weitere Hütten und Gebäude im alpinen Raum ermöglichen.

Begleitende Öffentlichkeitsarbeit stellt sicher, dass die Projektergebnisse zielgerichtet an Entscheidungsträger, Planer und technische Fachkräfte vermittelt werden und so die Umsetzung nachhaltiger Wärmepumpenlösungen im alpinen Raum unterstützt wird.

Innovation

Alpine Gebäude wie Berghütten, Schutz- und Alpenvereinshäuser oder Chalets verfügen über hochgradig individuelle, über Jahrzehnte gewachsene Energieversorgungssysteme. Diese wurden jeweils an lokale Gegebenheiten, steigende Komfortansprüche und sicherheitsrelevante Anforderungen angepasst. Gerade diese Heterogenität stellt heute die größte Hürde für eine schnelle und wirtschaftliche Umstellung auf eine klimaneutrale Energieversorgung dar.

Die zentrale Innovation von Heat4Alps liegt in der Entwicklung eines systematischen, übertragbaren und skalierbaren Ansatzes zur Dekarbonisierung dieser vielfältigen Gebäudetypen. Anstatt Einzellösungen für einzelne Hütten zu entwickeln, entsteht im Projekt ein modularer Lösungsbaukasten in Kombination mit einem praxisnahen Handlungsleitfaden, der für jede Hütte auf Basis ihrer spezifischen Randbedingungen ein technisch und wirtschaftlich optimiertes Wärmepumpen-basiertes Versorgungskonzept vorschlägt.

Dabei werden unter anderem folgende standort- und betriebsrelevante Parameter integriert:

  • Höhenlage und klimatische Bedingungen
  • Sonnen- oder Schattenexposition
  • Hüttentyp (Sommer- oder Ganzjahresbetrieb)
  • bestehendes energetisches Versorgungssystem
  • elektrische Netzanbindung und Photovoltaik-Potenzial
  • Möglichkeiten eines energieflexiblen Betriebs (z. B. PV- oder strompreisgeführt)
  • Erreichbarkeit und Straßenanbindung

Teilprojektleitung


Projektmitarbeiter und Mitarbeiterinnen

M.Sc. Sebastian Obermaier
T +49 (0) 8031 / 805 - 2926
sebastian.obermaier[at]th-rosenheim.de

Projektdauer

01.01.2026 - 31.12.2028

Projektpartner

Deutscher Alpenverein e.V.
Fachhochschule Salzburg GmbH

Projektförderung

Europäische Union

Förderprogramm

Interreg Bayern-Österreich